StartseitePrävention & VorsorgeBetroffeneDrogen am Arbeitsplatz

Wer unter Drogen zur Arbeit geht, gefährdet Menschenleben!

Mal ehrlich: Würden Sie in ein Flugzeug steigen, dessen Pilot Marihuana geraucht hat?
Sagen Sie nicht gleich nein: Sie würden einsteigen. Weil Sie es gar nicht bemerken würden, bevor es zur Katastrophe kommt. Fliegen ist Vertrauenssache.

Mal ehrlich: Möchten Sie neben einem Kollegen arbeiten, der Drogen im Blut hat?
Auch das würden Sie kaum bemerken. Und in Chemieanlagen kann auch das zur Katastrophe fuhren. Drogen am Arbeitsplatz können tödlich sein, nicht nur für den, der sie nimmt, auch für andere.

Der Test fand im Flugsimulator statt. Zehn erfahrene Piloten wurden 1985 gebeten, eine leichte Dosis Marihuana zu rauchen und anschließend ein Passagierflugzeug »zu landen«.

Das erste Ergebnis überraschte nicht:
Hatten die Piloten ihre Maschine ohne Drogen im Schnitt 3,7 Meter neben der Mitte der »Landebahn« aufgesetzt, so betrug die Abweichung eine Stunde nach dem Joint fast das Dreifache: 9,8 Meter.

Der Test aber war damit noch nicht zu Ende. Als die Piloten sich nach 24 Stunden - subjektiv längst wieder nüchtern - noch einmal in den Simulator setzten, landeten sie immer noch 7,3 Meter neben der Landebahnmitte. Doppelt so ungenau wie ohne Droge.

Drogen dringen auch in die Betriebe vor!

Drogen wie Kokain, Opiate, Haschisch und Ecstasy machen sich in der gesamten Gesellschaft breit. Aus den Blutproben Von Autofahrern wissen Gerichtsmediziner, dass in Deutschland bis zu 25 Prozent der »auffällig gewordenen« Autofahrer neben Alkohol auch Drogen und Beruhigungsmittel in hohen Dosen konsumiert hatten.

Auch die Betriebe bleiben nicht verschont: Als vor wenigen Jahren große deutsche Chemieunternehmen bei Einstellungsuntersuchungen auch ein Drogenscreening vornahmen, fanden sie bei jedem sechsten Bewerber illegale Drogen.

Von der Drogenproblematik sind alle Hierarchieebenen betroffen, auch wenn die Mittel verschieden sein mögen.

Eine schnell festgestellte Alkoholfahne kann sich niemand leisten. Tabletten und Drogen werden meist gar nicht wahrgenommen.

Dabei sind Beruhigungsmittel keineswegs harmloser. im Straßenverkehr, so weiß man aus
Untersuchungen, sind Personen mit Beruhigungsmitteln im Blut dreimal so oft in Unfälle mit Personenschäden verwickelt wie Leute, die »nur« einen Alkohol- oder Haschischrausch hatten.

Drogen sind nicht kalkulierbar: Der »Flashback« kommt mitten bei der Arbeit, der Break-Down auch!

Aber selbst wenn sie meinen, ihre Sucht »im Griff« zu haben: Jeder Drogenkonsum hat Folgen, die kaum kontrollierbar sind.

Beim Alkohol ist es noch relativ leicht. Hier heißt die Faustregel: »0,1 Promille Abbau pro Stunde.« Wer Sonntagnacht seinen Vollrausch mit dem Taxi nach Hause fährt, der hat am Montag früh immer noch genug Alkohol im Blut, um den Führerschein abgenommen zu kriegen. Alle anderen Drogen sind gänzlich unberechenbar. Wer abends einen Joint raucht, mag sich morgens im Betrieb zwar subjektiv wieder nüchtern fühlen. Doch das täuscht, die Droge wirkt Tage später immer noch. Manchmal setzt der Rausch, der »Flashback«, noch Tage später ohne Vorwarnung wieder ein. manchmal mitten bei der Arbeit.
Auch Ecstasy wirkt 4 bis 8, manchmal aber auch 20 bis 36 Stunden. Das sieht man der Pille von außen nicht an. Der Zusammenbruch kommt völlig überraschend. Dann geht nichts mehr. Manchmal mitten bei der Arbeit.

Wirkstoffe, von denen schon ein Millionstel Gramm einen Rausch auslöst, kann man nicht »nach Gefühl« dosieren. Zumal niemand weiß, was und wie viel er da eigentlich schluckt. illegale Drogen unterliegen keiner Qualitätskontrolle. Sie können sogar »zu gut« sein wie ungewöhnlich reines Heroin, das immer wieder zum Tode führt.

Aber selbst wenn sie meinen, ihre Sucht »im Griff« zu haben: Jeder Drogenkonsum hat Folgen, die kaum kontrollierbar sind!

Die Fixer am Bahnhof sind nur der sichtbare Teil des Drogenproblems. Der unsichtbare Teil ist größer. Es ist das stille Einverständnis, mit dem die einen abends einen Joint durchziehen, die anderen sich im Hinterzimmer »eine Linie legen«. Es ist der Gruppendruck, der auch Drogengegner wegsehen lässt, wenn in der Disco der Ecstasy - Dealer auftaucht. Und Alkohol ist sowieso akzeptiert.

Drogenkonsum beschränkt sich nicht mehr auf Randgruppen. Allein die Zahl der mehr oder weniger regelmäßigen Ecstasy - Konsumenten wird in Deutschland auf 500000 bis 1,5 Millionen geschätzt - bei rasant steigender Tendenz.

»Ich werde nicht süchtig«, sagen die meisten. Sie kennen die Gefahren und glauben trotzdem: »Ich kann damit umgehen.« Können sie es wirklich?

So fahrtüchtig, dass man aus der Kurve fliegt!

Auf Drogenkonsumenten sind die Unternehmen und ihre Beschäftigten noch nicht ausreichend eingestellt. Völlig ungelöst ist das Problem der Gelegenheitskonsumenten, die am Montag »angedröhnt« zur Arbeit kommen, weil der Wochenendrausch länger dauert als geplant. Die erkennt man kaum.

Auch sie selbst bemerken ihre eingeschränkte Reaktionsfähigkeit nicht. im Gegenteil: Die meisten Drogen vermitteln ein falsches Gefühl von Stärke und Selbstsicherheit.

Bei einem Test fühlten sich Kokain- und Speed - Konsumenten am Steuer eines Autos von Minute zu Minute sicherer - bis sie mit überhöhter Geschwindigkeit aus der Kurve flogen.

Ähnlich bei Ecstasy: »Die Testperson überschätzte die eigenen Fähigkeiten maßlos und versuchte mit Tricks und Geschwindigkeit anzugeben«, kann man im Internet nachlesen. »Auf Kritik reagierte sie entweder negativ oder gar nicht.«

LSD führt manchmal zu tödlicher Risikobereitschaft; Haschisch setzt die Wahrnehmungsfähigkeit außer Kraft: im Straßenverkehr verlieren Haschischraucher den Überblick, weil ihre Konzentrationsfähigkeit stark eingeschränkt ist.

Die Anforderungen an manchem Arbeitsplatz im Betrieb aber sind keineswegs geringer als die im Straßenverkehr.

Drogen als Unfallursache: Wie kommt es zum »menschlichen Versagen«?

Dass erst wenige spektakuläre Unfälle bekannt geworden sind, bei denen Drogen im Spiel waren, kann nicht beruhigen. in solchen Fällen ist die Empörung stets so groß, dass genaue Untersuchungen unumgänglich werden. Beim Tod von Lady Diana soll ihr Fahrer 1,75 Promille Alkohol, Beruhigungsmittel und ein Medikament gegen Depressionen im Blut gehabt haben, und bei der Ölkatastrophe in Alaska soll der Kapitän der »Exxon Valdez« (Öltanker) durch Alkohol, Drogen und Arbeitsüberlastung außer Gefecht gesetzt gewesen sein.

Bei wie viel Unfällen »menschliches Versagen« durch Drogen ausgelöst wurde, darüber kann man nur spekulieren. immerhin belegen Untersuchungen: Bei Autofahrern mit auffälligem Fahrverhalten war jeder vierte drogenpositiv.

Wir wissen, dass der Drogenkonsum in der Gesellschaft zunimmt. Es gibt die Erfahrung, dass Drogenkonsum für viele zum normalen Alltag gehört. Es gibt die Gewissheit, dass damit auch Arbeit unter Drogeneinfluss zunimmt. Und es gibt die Entschlossenheit der Arbeitgeber, Berufsgenossenschaften und Gewerkschaften, Drogen keine Chance zu geben.

Am entschiedenen Handeln führt kein Weg vorbei!

Ob Speed wacher, Kokain genussfähiger, LSD wirklich kreativer macht - darüber streiten wir nicht. Entscheidend ist, dass selbst ihre Nachwirkungen im Betrieb Menschenleben gefährden.

Für Arbeitgeber, Berufsgenossenschaften und Gewerkschaften gibt es hier keinen Spielraum:
Drogen haben im Betrieb nichts zu suchen, aber auch gar nichts. Auch nicht als Restgehalt im Blut. Darum sind wir gegen Drogen. immer und überall.

Wir wollen gemeinsam Wege finden, die Ausbreitung des Drogenkonsums zu stoppen. Wir wollen das Thema in informationsveranstaltungen und auch in der Ausbildung behandeln. mit Prävention und Aufklärung wollen wir das Problem bewusst machen und gegensteuern. Und solange das nicht ausreicht, um Gefährdungen im Betrieb auszuschließen, führt für uns kein Weg daran vorbei, insbesondere bei sicherheitsrelevanten Tätigkeiten über Drogenuntersuchungen nachzudenken.

Wir wollen das nicht, um zu diskriminieren, sondern um zu verhindern, dass andere Menschen gefährdet werden.

Wir wollen das nicht, um zu bestrafen, sondern um mögliche Hilfe zum Ausstieg und zur Therapie anbieten zu können.

Wir wollen das nicht, damit Beschäftigte entlassen werden, sondern um ihnen den Arbeitsplatz zu erhalten.

Wir wollen helfen. Aber wir werden nicht wegsehen.

Wir werden den Drogen keinen Zentimeter nachgeben.



Das sind wir allen Beschäftigten und den Nachbarn der Betriebe schuldig!

Die scheinliberale Haltung: »Hauptsache, du bist am Montag wieder klar« geht am Problem vorbei.

Drogen und Rechtsprechung Arbeitsplatz und Rente stehen auf dem Spiel!

Auch rechtlich ist Arbeit unter Drogen kein Kavaliersdelikt:

Wer unter Drogen ein Kraftfahrzeug fährt, muss mit Fahrverbot und einer Geldbuße bis zu 3000,-DM rechnen.

Wer unter Drogen andere im Verkehr gefährdet, kann sogar zu Gefängnis bis zu fünf Jahren verurteilt werden. Versicherungen helfen ihm da nicht

Wer unter Drogen sein Auto demoliert, bekommt nicht mal Geld von der Vollkaskoversicherung.

Wer unter Drogen im Betrieb verunglückt, riskiert den Versicherungsschutz der Berufsgenossenschaft für sich und im Todesfall für seine Hinterbliebenen.

Wer wegen Drogen - egal ob Alkohol, Ecstasy oder Beruhigungsmittel - in seiner Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt ist, der darf an seinem Arbeitsplatz nicht beschäftigt werden. Und kann obendrein gekündigt werden.



Drogenprobleme? Hilfe gibt es auch im Betrieb!

Die Unternehmen der chemischen Industrie und die Betriebsräte sind im Rahmen ihrer Möglichkeiten zur Diskussion über persönliche Probleme, zur Hilfe in Notlagen und zur Unterstützung bei Suchtproblemen bereit.

Die Betriebsärzte, in größeren Unternehmen auch Sozialberater und Suchtkrankenhelfer, sind kompetente, hilfsbereite und diskrete Ansprechpartner. Sie vermitteln auch Hilfe der außerbetrieblichen Drogenberatungsstellen - um von Drogen loszukommen und den Arbeitsplatz gar nicht erst zu gefährden.

Aber sprechen muss man schon über sein Problem. Denn wenn der Unfall erst mal passiert ist, dann kann es kein Pardon mehr geben. wer sich verhält, als habe er alles im Griff, der muss auch für die Folgen seines Verhaltens gerade stehen.