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"Der Einstieg ins Rauchen soll verpasst werden."
Wann sie ihre erste Zigarette geraucht haben? Die Antwort dürfte den meisten Rauchern nicht schwer fallen: War's vielleicht heimlich mit anderen auf der Schultoilette, an der Bushaltestelle oder bei der ersten richtigen Party? Viele Suchtkarrieren beginnen so. "Die Pubertät", sagt Rainer Schubert, Gesundheitswissenschaftler im städtischen Gesundheitsamt, "ist das typische Einstiegsalter."
Eine Befragung von 495 Braunschweiger Schülern zwischen 14 und 16 Jahren aus allen Schulformen hat jetzt ergeben: 44 Prozent von ihnen rauchen. "Diese Zahl finden wir extrem hoch", sagt Dr. Petra Grebenstein von der Abteilung Gesundheitsförderung des Gesundheitsamtes.
Und da zudem, wie eine Ecstasy-Studie des Amtes ergeben hat, die Zigarette eine Einstiegsdroge für andere Drogen zu sein scheint, will ein Arbeitskreis, dem außer Mitarbeitern des Gesundheitsamtes auch Wissenschaftler und Fachleute aus Beratungsstellen angehören, den Nikotinkonsum Jugendlicher stärker in die öffentliche Diskussion bringen. "Wir wollen uns dafür stark machen, dass der Einstieg ins Rauchen möglichst verpasst wird", sagt Rainer Schubert.
Verschiedene Motive mögen Jugendliche in Versuchung führen. "Die Pubertät ist eine Zeit der starken Verunsicherung", sagt Rainer Schubert. Rollenmodelle würden erprobt, es sei wichtig, zu einer bestimmten Gruppe Gleichaltriger dazuzugehören. Ob in der Clique geraucht werde oder nicht, sei eine der entscheidenden Fragen. Ebenfalls das durch Werbung, Eltern und Vorbilder vermittelte Raucher-Image spiele eine entscheidende Rolle, erklärt Doris Freudenstein, im Gesundheitsamt für Suchtprävention zuständig.
Auch in Braunschweig will der Arbeitskreis daher einen kritischen Blick auf die Werbung werfen: Wie steht es etwa in der Löwenstadt mit der Selbstverpflichtung der Zigarettenindustrie, auf Werbung im nächsten Umkreis von Schulen zu verzichten?
In den USA zum Beispiel rauchen nach dem "Jahrbuch Sucht 1999" der Deutschen Hauptstelle gegen Suchtgefahren 32 Prozent und elf Prozent der Mädchen Zigarre. Ein neuer Kult, der in Filmen stark beworben wird. Bemerkenswert: Trotz der gesellschaftlichen Ächtung hat die Zahl der 14- bis 18-jährigen Raucher in den USA zwischen 1991 und 1997 um ein Drittel zugenommen. Eine "Jetzt-erst-recht"-Haltung? Und auch in Deutschland gebe es, so das Jahrbuch, Anzeichen für steigenden Zigarettenkonsum bei Jugendlichen. In einer Medikamentenstudie, in der sie Jugendliche unter anderem nach dem Rauchen befragte, hat Dr. Petra Grebenstein zudem herausgefunden, dass unter den Befragten mehr Mädchen (48 Prozent) als Jungen (41 Prozent) rauchen. Nach der schulischen Belastung gefragt, waren es eher die Raucher, die sich in der Schule gestresst fühlen.
An der Spitze der Medikamentenkonsumenten standen die Raucherinnen: 61 Prozent von ihnen gaben an, in den vergangenen vier Wochen mindestens eine Schmerztablette genommen zu haben. Von den Nichtraucherinnen waren es nur 36 Prozent, von den Nichtrauchern 18 Prozent und den Rauchern 26 Prozent. "Suchtentwicklung ist immer auch ausweichendes Verhalten", meint Petra Grebenstein. Würden Medikamente und Zigaretten zur Stressbewältigung konsumiert, sieht sie eine Alternative in Entspannungstechniken, die sie in Schulen bereits mit Erfolg anbietet. Konsum- und Verhaltensmuster unterscheiden die Raucher in ihrer Studie von Nichtrauchern. Während Raucher zum Thema Freizeitverhalten eher "Fernsehen" und "süßes Essen" angaben, nannten Nichtraucher häufiger Aktivitäten wie Spazierengehen.
Frei vom Rauchen das Leben genießen!
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