StartseiteIllegale DrogenLSD

Herkunft
Partial- oder vollsynthetische Droge, Herstellung aus Lysergsäure (LS), die früher aus Kulturen des meist auf Roggen schmarotzenden Pilzes Claviceps purpurea (Mutterkorn, nur noch vereinzelt im Rahmen der illegalen Herstellung genutzt) gewonnen wurde, heute aber vollsynthetisch hergestellt wird. Wichtiges Zwischenprodukt zur Herstellung von Arzneimitteln, u.a. gegen Migräne. Die psychotrope Wirkung des LSD wurde zwischen 1938 und 1943 von HOFFMANN bei Versuchen mit LS und ihren Derivaten entdeckt. LSD wurde in den 60er Jahren (USA) auf die Verwendung als psychochemischer Kampfstoff für militärische und nachrichtendienstliche Verwendung getestet (CIA-Aktion Artichoke bzw. Blue Bird) sowie als Modellsubstanz und vorübergehend auch als Therapeutikum in der Psychopharmakologie eingesetzt. Die ideologischen Grundlagen für die Verbreitung in der Drogenszene gehen ganz wesentlich auf den amerikanischen Psychologen und LSD-Apologeten Timothy LEARY zurück.

Wirkstoffe
LSD: Produkt aus der Umsetzung von LS mit Diethylamin. Das schlecht wasserlösliche basisch reagierende Produkt wird mit Säuren, meist Weinsäure, zum kristallinen und leicht wasserlöslichen Salz, dem LSD-Tartrat, umgesetzt. Wirksam sind insbesondere die optisch rechtsdrehenden D-Verbindungen. Handelsnamen: Delysid, LSD-25.
LSD-ähnliche: Die aus Prunkwindensamen gewonnene Droge Ololiuqui (Kultgetränk südamerikanischer Indios) enthält als psychotrope Bestandteile ein Gemisch aus D-Lysergsäure-methylcarbinolamid und D-Lysergsäureamid. Ein Samen entspricht etwa einer LSD-Dosis von 1 μg. Missbrauchsfälle sind bekannt.

Szeneformen und Applikation
LSD wird heute fast ausschließlich in Form von Trips (Tabletten bzw. Pillen) angeboten, z. T. sehr klein mit Durchmessern von wenigen Millimetern (Mini-, Mikro-Trips, micro dots). Verbreitet sind nach wie vor meist mit bunten Logos bedruckte briefmarkenähnliche Paper-Trips, die das LSD aufgetropft auf saugfähigem Papier enthalten und ausgekaut oder geschluckt werden. Früher übliche imprägnierte Würfelzuckerstücken (cubes) oder pulverförmige LSD-Zubreitungen in Gelatinekapseln, sind fast völlig verschwunden. Üblich ist die orale Einnahme (Einwerfen) analog normalen Tabletten. LSD kann nicht über die Haut aufgenommen werden, wie vielfach behauptet wird.

Szenebezeichnungen (ausgewählte Beispiele)
Acid, Affe, Anker, Blaue Mikros, Blotter, Blue Heaven, California Sunshine, Elephant, Fahrkarte, Glühbirne, L, Mickey Mouse, Pearly Gates, Pink Jesus, Royal Blue, Strawberry Fields, Wedding Bells, Ying Yang u.a.

Wirkungsprofil
LSD ist ein sehr starkes Halluzinogen, das bevorzugt optische Halluzinationen (Farbe-Raum-Empfinden) bewirkt. Es kann bei unguter Gefühlslage schnell einen sogenannten Horror-Rausch (bad trip) auslösen, besonders bei Neulingen und ungeübten Usern. Wie bei den meisten Halluzinogenen kommt es auch bei LSD zum Nachhall-Rausch (Flash Back), wiederkehrende Rauschzustände ohne unmittelbar vorher erfolgte Drogenaufnahme.

Wirkstoffgehalte / Dosen
Die Rauschdosis beträgt nur etwa 25 Mikrogramm (μg = millionstel Gramm). Damit ist LSD das gegenwärtig wirkungsstärkste Halluzinogen. In den Tabletten/Trips liegt der Gehalt durchschnittlich bei 100 – 150 μg, z. T. sind aber auch bis zu 500 μg enthalten. Durch Überdosierung belegte tödliche Dosen für Menschen sind bisher nicht bekannt. Tierexperimentell abgeschätzte Werte liegen bei größer 2 mg/kg.

Abhängigkeit und Toleranz
Nur psychische Abhängigkeit, keine körperliche (physische) Abhängigkeit bekannt. LSD greift in den Serotoninstoffwechsel ein und bewirkt so falsche Wahrnehmungen der Realität in Form von bevorzugt optischen Halluzinationen (speziell Farb-Raum-Empfinden und geometrische Strukturen). Toleranzentwicklung mit Dosiserhöhung nach längerem Missbrauch; Rückbildung nach Absetzen der Droge innerhalb ca. 7 Tagen.

Gefahren
akut: Omnipotenzgefühle/unkontrollierte Risikobereitschaft mit z.T. dramatischen Folgen (z.B. tödliche Unfälle durch das Gefühl, Fliegen oder ein Auto anhalten, über Wasser laufen zu können, etc.), Verlust der Ich-Kontrolle, Aggressivität/Tobsucht möglich, Selbstverletzungen;
chronisch: erhöhte Suicidneigung, Psychosen, Hirnschäden;
körperlich: Blutdruckanstieg, Herzjagen, Zittern (Tremor, z.B. Finger), Störungen der Muskelbewegungen (Ataxie).

Erkennung (unspezifisch)
Konsument/akut: psychotische Reaktionen incl. Angstpsychosen mit Situationsverkennung, Depersonalitätserlebnisse;
morphologisch: Form, Farbe, Aussehen sowie Logos der Straßendrogen;
Schnelltest: Farbreaktionen auf nass- und immunchemischer Basis mit Substanzproben und aus Urin. Stoff/Urin/Schweiß: diverse immunchemische Verfahren, • tragbare IMS-Geräte (Ionenmobilitätsspektrometrie), Ja/Nein-Aussagen in ca. 1-2 Minuten.

Rechtslage
Nicht verkehrs- und verschreibungsfähige (illegale) Substanzen gemäß BtMG und den ergänzenden Änderungs-Verordnungen (per 2008: 1. – 21. BtMGÄndV).

LSD Micro- & Mini-Trips



LSD CyberTrip



LSD auf Würfelzucker



Bogen LSD Paper-Trips



Bogen LSD Paper-Trips



Strukturformel für Lysergsäure (links) und LSD (rechts)