StartseiteIllegale DrogenLiquid Ecstasy (GHB)

Herkunft
Unter der Bezeichnung “Liquid Ecstasy” ist in Deutschland seit Mitte der 90er Jahre mit zunehmender Tendenz die etwa ab 1960 vielfältig als Arzneimittel (entdeckt und eingeführt von Prof. LABORIT, Paris, Klinikum Boucicant) genutzte Verbindung Gamma-Hydroxybuttersäure, abgekürzt GHB, auf der Szene.
GHB ist in den USA und England bereits seit Mitte der 80er / Anfang der 90er Jahre auf der Szene, erst (USA) als Ersatz für Steroide im Bodybuilding (fördert den Abbau von Fettgewebe und regt Muskelwachstum an), dann als Party-, Club- und Techno-Droge sowie auch als Verstärker (Booster) für andere (stimulierende) Drogen und als Schlafhilfe bei exzessivem Missbrauch von Stimulantien wie Amphetaminen und Kokain.
Als Lifestyle-Droge im Gespräch, da GHB angeblich den Alterungsprozess verzögert.
Der Name Ecstasy soll bevorzugt assoziativ werbend für die neue Droge sein und hat seine Basis in der ähnlich XTC erlebten Wirkung eines universelles Wohlgefühls, allgemein intensivierter Wahrnehmungen und Erleichterung (Förderung) zwischenmenschlicher Kontakte (vgl. die Bezeichnungen “Love Drug” und “Hug Drug” für MDA bzw. MDMA).

Wirkstoffe
Es handelt sich beim GHB um eine einfache organische Säure mit aliphatischer Struktur: HO-CH2-(CH2)2-COOH. Chemisch besteht kein Zusammenhang zu XTC-Wirkstoffen, auch nicht zum Herbal Ecstasy! Pharmakologisch bestehen Ähnlichkeiten hinsichtlich der Beeinflussung des Dopamin- und Serotonin-Stoffwechsels.

Szeneformen und Applikation
Die oral schnell resorbierte und gut ZNS-gängige und -wirksame, etwas salzig schmeckende Straßendroge wird zumeist als wässrige Lösung, klar oder mit weißen schleimigen Flocken versetzt, in Plastikflaschen (z.B. als Mineralwasser getarnt) oder als weißer Feststoff (Pulver, Tabletten, Szenepreis ca. 1 €/Gramm) gehandelt. Die Lösung (1/2 bis 3 Teelöffel oder Tabletten je Trip) wird in mehreren kleinen Schlucken getrunken. Konsumziel ist das Erreichen eines tranceartigen Schwebezustandes, vergleichbar des Zustandes unmittelbar vor dem Einschlafen. Wirkungsdauer etwa 2 – 8 Stunden. In der Schweiz war Mitte der 90er Jahre vereinzelt und kurzzeitig in kleinen Plastikfläschchen (Vials) eine als Liquid Ecstasy bezeichnete flüssige Droge auf der Szene, die MDMA-Hydrochlorid und Coffein enthielt.

Szenebezeichnungen (ausgewählte Beispiele)
Cerry Menth, Easy Lay, EVIAN (nach dem Mineralwasser benannt!), Fantasy, G-Juice, Georgia Home Boy, Grievous Body, G-Riffick, Liquid E, Liquid Ecstasy, Liquid X, Pearl, Salty Water, Soap.

Synonyme und Warennamen (in Pharmakologie/Chemie):
a) für die Säure: 4-Hydroxybuttersäure, 4-Hydroxybutansäure, 4-Hydroxybutyric acid, Gamma-Hydroxybuttersäure, gamma-Hydroxybutyrate, g-Hydroxybuttersäure, Gamma Hydrate;
b) für das gut wasserlösliche Na-Salz: Domatomax PM, g- hydroxybutyric sodium, Sodium oxybate, Sodium oxybutyate, Na- g-hydroxybutyrat, Somsanit, Gamma-OH, WY-3478

Abhängigkeit und Toleranz
Bevorzugt psychische Abhängigkeit. Bei längerem Missbrauch auch Ausbildung einer physischen Abhängigkeit mit Entzugssymptomatik (Schlaflosigkeit, profuses Schwitzen, Zittern, Muskelkrämpfe, Angstzustände). Eine Entgiftung ist in 3 – 12 Tagen möglich.

Dosisangaben
0,5 – 1 Gramm: alkoholähnlicher Rausch, Fahruntauglichkeit
1 – 2,5 Gramm: Entspannung, High-Gefühl, sexuelle Anregung größer 2,5 Gramm:
a) psychisch: veränderte Wahrnehmung bzw. Empfindung von Sinneseindrücken (speziell Musik), Motivation zum Tanzen, stark gesteigerte Euphorie, Intensivierung von Gefühlen.
b) physisch: Sprachstörungen, Benommenheit, plötzliches Einschlafen.

Wirkungsprofil
GHB entfaltet aus pharmakologischer Sicht eine dem Cocain ähnliche Wirkung: Im ZNS bewirkt es eine schnelle Freisetzung des Botenstoffes Dopamin (und auch von Serotonin) mit Auslösung von Glücksgefühlen (Flash), vergleichbar dem Cocain-High (Kick). Auch sexuelle Stimulation möglich, sowohl bei Frauen und Männern (z. T. Nutzung als Aphrodiasikum). Bei Männern soll es auch potenzfördernd wirken.
Nach dem Abbau des Dopamins erfolgt ein schneller Übergang in den sogenannten GHB-Crash (Absturz) mit Übelkeit, Schwindel, absoluten Down-Gefühlen, evtl. Krampfanfälle sowie temporäre Gedächtnisstörungen (Amnesie).
Nebenwirkungen sind vor allem Übelkeit, Schläfrigkeit oder (dosisabhängig, Alkohol-Beikonsum) plötzlicher Tiefschlaf, das Applikationsziel bei der Applikation als Vergewaltigungsdroge (Date-Rape Drug).

Überdosis / Vergiftung
Schnell Vergiftung möglich, nach etwa 15 – 60 min dosisabhängige Symptomatik:
um 10 mg/kg: Erbrechen, Dösigkeit, Blutdruckabfall (Kollaps!), verminderte Aktivität;
10 – 50 mg/kg: Tachycardie, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Schwitzen;
über 50 mg/kg: Tremor, Krämpfe, Atemstörungen bis hin zu Atemdepression und Atemlähmung; Bewusstlosigkeit, Koma und Tod; zum Teil auch Auslösung epileptischer Anfälle (disponierte Konsumenten).

Erkennung (unspezifisch)
Aus Urin ist ein Nachweis mittels GC/MS (min. 2 μg, Italien 1993) und aus Zubereitungen / Substanzproben sowohl mittels GC/MS als auch HPLC gut möglich. Die Nachweisgrenze liegt bei 50 Nanogramm. Schnelltest in Europa kommerziell verfügbar; ein enzymatischer Test (Patent, 30 μg/ml) aus den USA ist bekannt. Nachweis sehr schwierig, da GHB im Körper fast vollständig zu CO2 abgebaut wird.

GHB als Vergewaltigungsdroge
Besonders stark in Verruf gekommen ist GHB als sogenannte Vergewaltigungsdroge (date-rape drug) durch kriminelle Ausnutzung seiner stark betäubenden Wirkung, insbesondere in Verbindung mit Alkohol (“KO-Tropfen”), um derart handlungsunfähig gemachte Mädchen und Frauen leichter sexuell missbrauchen zu können.

Rechtslage
In Deutschland seit März 2002 mit der 15. BtMÄndV als illegale Droge klassifiziert. Wegen der Gefährlichkeit der Droge und der zunehmenden kriminellen Anwendung als Vergewaltigungsdroge und zu KO-Tropfen wurde GHB in den USA im November 1990 zur illegalen Droge erklärt. Großbritannien ist dem 1999 gefolgt. GHB wurde 2001 auf Empfehlung der UN-Suchtstoffkommission in die Liste IV der „Konvention über psychotrope Stoffe von 1971“ aufgenommen.