StartseiteIllegale DrogenHeroin

Herkunft
Halbsynthetische Opiatdroge, durch Umsetzung von Morphin, das aus Opium gewonnen wird, mit Essigsäure(anhydrid). Vorwiegend aus den Anbaugebieten in der Türkei/Mittlerer Osten (Goldener Halbmond) und Asien (Afghanistan [inzwischen weltgrößter Hersteller], Goldenes Dreieck).

Wirkstoff
3,6-Diacetylmorphin (DAM, Diamorphin, Heroin, H).

Szeneformen
H1: kein Heroin, sondern Morphinbase;
H2: Heroinbase (nicht wasserlöslich und damit nicht injizierbar);
H1 und H2 spielen im europäischen Raum keine Rolle als Drogen.
H2 ist eigentlich nur Zwischenprodukt für H3 und H4. In den 70er Jahren z. T. für "Berliner Tinke" eingesetzt.
H3: Heroin-Hydrochlorid; meist grau-weißes, kristallines Produkt mit z. T. körniger Struktur (Hong Kong Rocks). Gehalt ungestreckt 40 – 60 %ig, als Straßendroge meist nur noch bis 20 %ig, vielfach auch darunter.
H4: Heroin-Hydrochlorid; meist weißes, kristallines Produkt hoher Reinheit (Weißer Stoff, Türkischer Honig). Gehalt ungestreckt 80 – 96 %ig, als Straßendroge bis 40 %ig. Braunes (Brown Sugar) und ein sehr dunkles H4 (black tar) sind als Spielarten bekannt.
Polski Kompott, Polnische Suppe: Aus Mohnstroh und Zusätzen gekochte Suppe zur Injektion, dunkelbraun, z. T. in Einwegspritzen gehandelt, besonders im Grenzgebiet zu Polen.
H3 und H4 sind als wasserlösliche Salze an sich gut injizierbar, doch können zugesetzte Streckmittel, z. T. aus Schmerz- und Schlaftabletten kommend, wie Coffein, Chinin, ASS, Procain, Barbiturate (heute selten), Methaqualon, Milchzucker und Talkum (Tabl.-Füllstoff) zu Problemen führen. Löslichkeitsverbesserung durch erhitzen (auf dem Fixerlöffel) und Zusatz von Essig-, Zitronen-, Ascorbinsäure. Das in asiatischem H 3 manchmal in Mengen um 1 % enthaltene Krampfgift Strychnin soll aufgrund seiner speziellen Wirkung durch Heroin bedingten Atemdepressionen vorbeugen. Aus gleichem Grund ist z. T. in hohen Konzentrationen Coffein zugesetzt.

Anwendung
Am Anfang der Heroinkarriere vielfach Aufnahme über die Nase (Sniefen, Snuffing, Snorting) in der irrigen Annahme (und so durch Dealer oft propagiert!), nicht abhängig zu werden. Später Übergang zur iv.- Injektion (Fixen, Drücken, Schiessen), z. T. längs der Venenverläufe, zur Verschleierung aber häufig an verdeckten Stellen, wie Leistengegend und Zehen. Seltener ist das aus Asien stammende Inhalieren der auf heißes Blech gestreuten Droge, (Drachen jagen) oder das Rauchen mit Heroin gepuderter Zigaretten (ack-ack, Steilfeuer). Neuerdings gewinnt das Sniefen von hochprozentigem H4 aus Angst vor HIV-Infektionen durch Spritzen als Alternative Bedeutung.

Rauschdosen (ungewöhnt, für Fixen)
reines Heroin
: leichte Euphorie bei 2 – 5 und starke Euphorie bei ca. 10 mg (= 1 Konsumeinheit KE)
Straßendroge: 50 – 500 mg (abhängig vom Gehalt); Tagesdosis, je nach Gewöhnung, etwa 0,5 bis 3 Gramm (ca. 6 – 10 Schüsse).
Die Dosis wird neben dem Wirkstoffgehalt wesentlich vom Grad der Fixerkarriere und der Toleranz bestimmt.
Zudem wird nicht täglich (Markt- und Geldsituation) Heroin konsumiert, sondern mit Ersatzdrogen die Woche gestreckt.

Abhängigkeit und Toleranz
Heroin ist neben Crack die Droge mit dem stärksten Missbrauchs- und Abhängigkeitspotential. Neben der von allen Drogen ausgelösten psychischen auch Ausbildung einer starken körperlichen (physischen) Abhängigkeit mit ausgeprägtem Entzugssyndrom bei Fehlen der Droge. Dazu Toleranzentwicklung mit Dosissteigerung und der Gefahr von Überdosierung nach erfolgter Entgiftung wegen Rückbildung der Toleranz. Es besteht Kreuztoleranz gegenüber anderen Opiaten (Beschaffung/ Erschleichung/Missbrauch narkotischer Analgetika vom Morphin-Typ!).

Wirkungsprofil
Abhängigkeit vom Morphin- bzw. Opioid-Typ nach ICD-11 (WHO) bzw. vom Opiat-Typ nach DSM-IV (USA). Dämpfend wirkende Droge mit euphorischem Rausch sowie spannungs- und angstlösender Wirkung; das anfangs schmerzhaft-wohlig empfundene Lustgefühl (Kick, Flash) verliert sich mit zunehmendem Missbrauch. Ausbildung von Interessen-, Antriebs- und Aktivitätsverlust sowie ein durch die körperliche Abhängigkeit bedingter Zwang zur ständigen Beschaffung und Konsum der Droge. In der Folge Sozialabstieg (Depravation) mit Folge- und Beschaffungskriminalität.
Entzugssymptomatik mit anfänglichem Frieren, Zittern, Tränen-/Nasenfluss sowie Schwitzen, Muskeltremor und allgemeine Schmerzzustände bis hin zu Durchfall, Atemnot und delirant gefärbten Krampfanfällen. Bei chronischen Missbräuchlern ist zusätzlich mit Infektionen (incl. HIV / AIDS) und Pilzbefall (Leber, Lunge, Herzklappen), Unsauberkeit/Parasiten sowie allgemeiner toxischer und sozialer Verwahrlosung zu rechnen.

Erkennung (unspezifisch, Bestätigung mit Laboranalyse)
Patient: enge Pupillen, Atemprobleme, Einstichstellen/Abszesse, Geschwüre, Narben (im Venenverlauf), Zahnhalskaries, Mangelernährung; sensorisch: unter Umständen leichter Essiggeruch; Schnelltest: rotviolette Färbung mit MARQUIS-Testlösung (als Kit im Handel); Stoff/Urin/Schweiß/Nasensekret: diverse immunchemische Verfahren, • tragbare IMS-Geräte (Ionenmobilitätsspektrometrie), Ja/Nein-Aussagen in ca. 1 bis 2 Minuten.

Verschiedene Reinheitsgrade



Verschnittener "Stoff"



Rohopium



Mohnblüte



Mohnkapseln, angeritzt



Heroinbesteck



Strukturformel Opiate